St. Wendelin - gestern und heute

St. Wendelin-Kirche - Blick in den Chorraum nach der Innenrenovierung 2007

St. Wendelin-Kirche - Blick in den Chorraum nach der Innenrenovierung 2007

In der Schlaitdorfer St. Wendelin-Kirche können nach der Renovierung interessante Entdeckungen gemacht werden.

Von Roger Speier

 

Die einen haben die St. Wendelin-Kirche geplant und erbaut, andere legten in späteren Jahrhunderten erneut Hand an, um sie vor dem Verfall zu bewahren oder sie umzubauen. Alle wollten einen dem Empfinden ihrer Zeit entsprechenden Raum für Gottesdienste und Besinnung gestalten.

 

Der Kirchenraum sollte Hoffnung und Sehnsucht der Menschen aufnehmen und ohne Worte an die Größe und Liebe Gottes erinnern. So bergen Steine und Holz, Glas und Metall die Glaubensspuren vieler Generationen.

 

Der Schlaitdorfer Kirche wurde mit der gründlichen Innenrenovierung 2007 ein Stück Entstehungsgeschichte zurückgegeben,  indem man die Sandsteine an der Turmwand freigelegt und den Urzustand hergestellt hat. Eine sorgfältige Restaurierung, die auch die geschichtliche Bedeutung des „Schlaitdorfer Sandstein“ widerspiegelt. Dombaumeister Zwirner ließ nämlich, beeindruckt von dem hellen, grobkörnigen Sandstein aus dem kleinen Ort in der Nähe von Stuttgart, diesen von 1842 – 1863 am Kölner Dom verbauen.

 

Historische Steine, handbehauen, aus den einheimischen Steinbrüchen sind Kulturgut, ja beinahe ein Schatz. Die Tür zwischen Kirchenschiff und Turm wurde so weit verschoben, dass die Treppe zur Empore nun zum Eingangsbereich gehört. Die Ausführung in Glas gibt jetzt einen imposanten Blick auf die altehrwürdige Kunst des Steinmetzen  frei.

 

Es muss in alter Zeit eine Knochenarbeit gewesen sein, mit Spitzeisen und Fäustel die zunächst unförmigen Bruckklötze passgenau, rechteckig, quadratisch, mit Wölbungen, Falzen und Rillen auszuarbeiten und mit dem Stockhammer den Steinen ein Gesicht zu geben. Die warmen Farben der Sandsteine leuchten unterschiedlich, unendlich viele Körner an der Oberfläche sind ausschlaggebend. Jedes Korn bricht das einfallende Licht ein klein wenig anders. Mancher Gottesdienst lebt nicht zuletzt auch von der Atmosphäre, die der Raum ausstrahlt.

 

Das südlich wie nördlich vorhallenartige Erdgeschoss des Turmes aus dem frühen 16. Jahrhundert, das sich in einem Spitzbogenportal ins Schiff öffnet, wird nun harmonisch vom Innenbereich aufgenommen. Mittelalterliche Baukunst zeigt sich in dem prächtigen Kreuzrippengewölbe,  im Schlussstein mit dem Zeichen und den Anfangsbuchstaben des Meisters Hans Buss, inzwischen farblich gestaltet und gut sichtbar.

 

Der Schlaitdorfer Turm wirkt mit mancherlei identischen Merkmalen wie eine verkleinerte Nachbildung des Turmes der Nürtinger Laurentiuskirche. Das lässt auf den gleichen Baumeister schließen. Interessant ist, dass das Kirchenschiff viel älter ist und aus romanischer Zeit, etwa dem 12. Jahrhundert, stammt. Unterschiedliche Setzungsprozesse der ungleichgewichtigen Baukörper und die Schwingungen der drei Turmglocken führten  besonders im Verbindungsbereich und an der Decke im Kirchenschiff zu starker Rissbildung. Bereits im Jahr 2000 wurden daher die deutlich zu klein bemessenen Fundamente zur nördlichen Hanglage in einer aufwändigen Baumaßnahme vertieft und verstärkt, sonst hätte die Innenrenovierung keinen Sinn gemacht.

 

Es ist schon erstaunlich, wie engagiert und mutig die Kirchengemeinde im vergangenen Jahrzehnt diese kostspieligen Projekte in Angriff nahm, zumal auch 2002 auch noch die Verblendung der Aussenfassade mit einer Neueindeckung des Kirchenschiffs dazukam.

Einen ausführlichen Kirchenführer gibt es seit Juli 2014.

Er liegt in Kirche und Gemeindehaus aus

und steht hier zum Download zur Verfügung.